Bad Rappenau - Ein Hauch von Broadway durchwehte die sonst so nüchterne Mühltalhalle, als das fünfköpfige Ensemble von Musical and More am Mittwoch Höhepunkte aus einem Dutzend bekannter Musicals darbot. Die Reise in die Welt des Musicals versetzte die rund 300 Besucher mit den populärsten Songs aus "Grease" zunächst in die USA der 50er Jahre.
(Von Doris Gabel, Kraichgau Stimme)
Überzeugend
Düster-mittelalterlich wirkte dann Tenor Wolfgang Rick als Bestie in "Die Schöne und das Biest". Die musikalische Reise führte sodann zum Vietnamkrieg. In "Miss Saigon" sang der US-Soldat Chris alias Benjamin Rick für seine großen Liebe Kim (Meike Beni) zum Abschied "Mein Gott, warum?" Nur einige Lieder weiter landeten die Besucher im Hier und Jetzt bei Stücken aus Udo Jürgens" "Ich war noch niemals in New York". Evergreens wie "Aber bitte mit Sahne" oder "Mit 66 Jahren" wurden mit Klatschen, Mitsingen und großem Beifall belohnt. Die Showbesucher konnten dank einer erklärenden Ansage zu jedem Stück durch den Moderator Konrad Westermann die Bedeutung des Liedes im Gesamtmusical verstehen. Egal ob Rock "n" Roll in "Grease", Pop in dem Medley aus Mamma-Mia-Songs oder getragene Balladen wie aus "Les Misérables" − Gesang und Choreografie waren überzeugend. Denn so variantenreich wie die Musikstile waren die virtuose Darbietung, die Maske und Requisiten. Vor allem die über 50 farbenprächtigen Kostüme, die originalgetreu nachgearbeitet wurden, ließen in das Musical eintauchen. Die Darsteller sangen zu eingespielten Orchesteraufnahmen.
Sirtaki
Der 25-jährige Benjamin Rick beeindruckte mit seinem warmen und vollen Tenor und bewies als Winnetouch in den Musicalauszügen aus "Der Schuh des Manitu" überdies viel Talent für komische Rollen. Bariton Stratos Goutsidis ließ das lachende Publikum nach "Ich trinke Ouzo, und was machst Du?" aus dem Manitu-Musical Sirtaki tanzen − zum Leidwesen der eigenen Zehen oder derer des Nachbarn. Ein Höhepunkt der Musicalshow war "Ich gehör nur mir" aus "Elisabeth − das Musical", gesungen von der Sopranistin Sonja Westermann. In prächtigem Ballkleid als Kaiserin Sissi erreichte sie problemlos selbst die höchsten Töne. Ebenso glänzte Wolfgang Rick als furcht-einflößender Graf von Krolock in "Der Tanz der Vampire". Dies sei auch sein Lieblingsstück, so der Gundelsheimer Künstler nach der Show. Im Abschieds-Duett "Time to say Goodbye" liefen die beiden Sänger nochmals zur Höchstform auf.
"Der Abend war klasse und sehr abwechslungsreich", unterstrich Michaela Szymanski aus Treschklingen, die das Ensemble schon zum dritten, "aber nicht zum letzten Mal" gesehen hat. Roland Kühner aus Biberach, einer von immerhin rund 30 Prozent männlichen Zuhörern, besuchte die Show "nur", weil das Ticket dazu ein Geschenk seiner Ehefrau war. Dennoch resümierte er: "Die Show hat mir gut gefallen."



