Show von Rick & Westermann in der Kultura Öhringen – Gesang und Kostüme passen
Sitzenbleiben geht nicht. „Musst Popo von Polster heben“ ruft der Grieche Dimitri (Stratos Goutsidis) dem Publikum zu und das erhebt sich tatsächlich vom Stuhl. Man ist guter Stimmung, da kommt so ein bisschen Sirtakitanzen mit dem Aushilfsgriechen gerade recht. Die erste Stunde bei Rick & Westermann’s Musical and More in der Öhringer Kultura war wie im Flug vergangen.
Das Gundelsheimer Musical-Ensemble weiß, was das Publikum sehen möchte. „Applaudieren Sie, kreischen Sie, springen Sie ihrem Nachbarn auf den Schoß“, ermuntert Moderator Konrad Westermann die Anwesenden und erntet Erheiterung. Zwischen den Titel gibt er kurze Einführungen, damit sich alle in die folgende Szene einfinden können. Es folgen Höhepunkte aus elf verschiedenen Musicals.
Paraderolle
Gute Laune gibt es zum Auftakt mit „Grease“. Petticoats und Schubidubiwap, die Sänger scheinen sich allerdings noch ein bisschen aufwärmen zu müssen. Der Chef wird es als Biest richten. Mit aufwendiger Maske und Kostüm sinniert Wolfgang Rick darüber: „Wie kann ich sie nur lieben?“ Vor allem bei den langen Tönen kommt seine angenehme Tenorstimme am Besten rüber. Seine Paraderolle soll später folgen, wenn er als Graf von Krolock aus dem „Tanz der Vampire“ Gänsehaut verbreitet. Erstaunlich, wie eine solche schaurige Gestalt Mitleid erregen kann. Wolfgang Rick verleiht der unstillbaren Gier Glaubwürdigkeit.
Das Programm wechselt zwischen Tragik und Komik. alle leiden mit, als Mezzosopran Meike Beni als Kim und Tenor Benjamin Rick als GI Chris aus „Miss Saigon“ vom Solosaxophon träumen. Die Stimmen passen perfekt, die Verzweiflung ist körperlich spürbar. Sopranistin Sonja Westermann nimmt alle mit hinter die Stangen ihres golden Käfigs als „Kaiserin Elisabeth“ und besticht mit Bühnenpräsenz und atemberaubendem Kleid.
Überhaupt die Kostüme. Bei jeder Rolle wird Wert auf Detailgenauigkeit gelegt, sei es die schwarz gekleidete Hexe Elphaba mit grünem Gesicht, das aufwendige Kleid von Baronin von Waldstätten mit den ovalen Reifröcken oder natürlich die Abba-Outfits mit glitzernden Overalls für das Mamma-Mia Medley.
Lustig wird es in der Öhringer Kultura beim „Schuh des Manitu“ mit seinen weniger bekannten Liedern. Zu komisch, wenn Benjamin Rick als Winnetouch sogar die Mimik von Bully Herbig hinbekommt. Noch mehr mit dem Hintern wackeln darf er als Frank’n’Furter aus der “Rocky Horror Picture Show“. Das Publikum kreischt, als er auf hohen Plateauschuhen, mit Strapsen und Federboa singt.
Publikum erfreut
„Einfach spitzenmäßig“ findet Matthias Heinzmann aus Lampoldshausen die Show. „Schuh des Manitu und New York würde ich jetzt auch gerne mal ganz sehen“ sagt er. Appetitanreger für den einen, süße Erinnerung für die andere: „Ich hab mich gefreut, dass ich einige Ausschnitte aus Miss Saigon oder Elisabeth noch mal sehen konnte“, erzählt Erika Schwarz aus Neuhütten. Durch die Zwischenmoderationen sei es eine runde Sache, ergänzt Sabrina Reinhardt aus Ellhofen.
(Von Stefanie Pfäffle aus der Hohenloher Zeitung)



